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Ich schrubbte Flurfugen mit einer Zahnbürste und ...

Aktualisiert: 9. Apr.

... merkte nicht, dass ich längst die Kontrolle verloren hatte.


Es gibt einen Moment aus meinem Leben, an den ich mich bis heute erstaunlich klar erinnere. Wenn ich ihn heute beschreibe, muss ich selbst ein wenig schmunzeln – nicht, weil er so absurd wäre, sondern weil er so ehrlich zeigt, wie STRESS manchmal aussieht, wenn wir ihn uns selbst SCHÖN VERPACKEN.


Damals stand ich mitten in unserem Haus, umgeben von Dingen, die alle gleichzeitig Aufmerksamkeit 🔔wollten. Auf meinem Schreibtisch lagen angefangene Notizen und halb vorbereitete Arbeitsunterlagen.

In der Küche warteten Töpfe, die eigentlich schon längst hätten weggeräumt werden sollen.

Im Flur türmten sich Schuhe, irgendwo lief eine Waschmaschine, und in meinem Kopf liefen gleichzeitig mindestens fünf Gedankenstränge, die alle der festen Überzeugung waren, gerade wichtiger zu sein als die anderen.


Ich sprang von einer Aufgabe zur nächsten. Hier ein bisschen. Dort ein bisschen. Nichts wurde wirklich fertig, doch alles schien dringend.


Der Wäscheberg erinnerte mich daran, dass ich dringend eine Maschine anstellen sollte. Während die Waschmaschine lief, fiel mir ein, dass die Kinder bald nach Hause kommen würden, also begann ich zu kochen.

Dabei bemerkte ich, dass in der Küche noch Dinge herumlagen, die eigentlich erst einmal weggeräumt werden müssten.

Und während ich versuchte, Ordnung in dieses kleine Chaos zu bringen, fiel mir wieder ein Gedanke zur Arbeit ein, der unbedingt noch vorbereitet werden sollte.


Patrick beobachtete das eine Zeit lang und sagte schließlich ganz ruhig: „Du brauchst eine Pause.“


Also nahm er die Kinder und machte mit ihnen einen Tagesausflug.


Ein ganzer Tag nur für mich.


Wenn du jetzt denkst, ich hätte mir einen Kaffee gemacht, mich mit einem Buch auf die Terrasse gesetzt und einfach einmal tief durchgeatmet, dann muss ich dich leider enttäuschen.


Ich nahm eine Zahnbürste und begann, die Fugen im Flur zu putzen.


Damit es sich wenigstens ein bisschen nach Entspannung anfühlte, machte ich mir dabei ein Hörspiel an. Ungestört Fugen schrubben und gleichzeitig einer Geschichte lauschen – ich war damals tatsächlich der festen Überzeugung, dass das eine wunderbare Form von MeTime sei.


Wenn ich dieses Bild heute betrachte, sehe ich eine Frau, die auf dem Boden ihres Flures sitzt und mit einer Zahnbürste die Fugen reinigt, während sie sich gleichzeitig erzählt, das sei Luxus.


Und genau in diesem Bild steckt eine wichtige 💡Erkenntnis:

Das war keine Entspannung. ⚡Das war Stress in schönem Geschenkpapier🎀.


Als Patrick später nach Hause kam, sagte er nichts dazu. Das ist übrigens sehr typisch für ihn. Er bietet Möglichkeiten an, eröffnet Räume – doch ob Menschen diese Chancen annehmen, ist ihre eigene Entscheidung. Er hatte seinen Teil bereits getan, indem er mir Zeit verschafft hatte. Was ich damit machte, war mein Entwicklungsprozess.


Und ich war damals tatsächlich der festen Überzeugung, etwas Sinnvolles getan zu haben. Ich erinnere mich noch gut, wie ich ihm erklärte, dass die Fugen jetzt viel heller seien. Wirklich. Ich habe ernsthaft über die Grauabstufungen von Flurfugen gesprochen und war ziemlich stolz darauf.


Heute muss ich darüber lachen.



Doch in diesem Moment wurde mir auch etwas bewusst.💡


Ich konnte nicht einfach nichts tun. In meinem Kopf liefen Sätze wie:


💭„Das muss doch gemacht werden.“

💭„Was sollen andere denken, wenn sie sehen, wie es hier aussieht?“

💭„Ein ordentlicher Haushalt braucht bestimmte Dinge.“


Vielleicht kennst du solche Gedanken.


Sie klingen oft so selbstverständlich, dass wir sie gar nicht mehr hinterfragen.


Genau in dieser Zeit kam NLP in unser Leben. Und mit ihm begann ich etwas zu tun, was ich vorher nie wirklich gemacht hatte: Ich begann aufzuräumen.


Nicht nur in unseren Zimmern.

Auch in meinen Glaubenssätzen.


Manche dieser Sätze waren erstaunlich eng mit Dingen verbunden. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, wie ich irgendwann vor unserem Küchenschrank stand und dachte: 💭„Ich brauche doch Weingläser. Das gehört zu einem ordentlichen Haushalt.“


Doch die Wahrheit war eine ganz andere.

Ich trinke meinen Wein am liebsten aus einem bestimmten Marmeladenglas.


Also fragte ich mich:

Für wen sind diese Weingläser eigentlich da?

❓Für mich oder für eine Vorstellung davon, was andere vielleicht erwarten könnten?


💡Und plötzlich wurde mir etwas klar.


Ich lebe nicht für Menschen, die vielleicht irgendwann zu Besuch kommen und sich darüber wundern könnten, dass ich keine Weingläser besitze.


Und wenn jemand mich tatsächlich aus seinem Leben streichen würde, weil ich Wein aus einem Marmeladenglas trinke, dann wäre das vermutlich ohnehin nicht der richtige Mensch für mein Leben.


Also gingen die Weingläser. Und mit ihnen einige andere Dinge.


Doch viel wichtiger war etwas anderes: Mit der Zeit gingen auch einige Gedanken.


Durch viele Übungen im NLP habe ich gelernt, meinen Fokus bewusster zu steuern und mir selbst wieder wichtig zu sein. Ich begann zu verstehen, dass Stress oft nicht durch Aufgaben entsteht, sondern durch die inneren Maßstäbe, mit denen wir uns selbst bewerten.


Heute haben wir kleine Rituale, die unser Zuhause zu einem Ort machen, der uns unterstützt statt unter Druck setzt.


Am Wochenende gibt es bei uns ritualisiert Pizza und einen Film. Samstags erfüllt häufig der Duft frischer Waffeln das Haus. Im Eingangsflur hängt die „Desiderata“, ein Text, der mich immer wieder daran erinnert, ruhig und freundlich mit mir selbst umzugehen.



Und kurz bevor ich beginne zu arbeiten, gibt es ein kleines Ritual, das ich sehr liebe. Ich habe einen Duft von Victoria’s Secret, der für mich inzwischen ein klarer Anker geworden ist. Zwei oder drei Sprühstöße, ein tiefer Atemzug und mein Gehirn weiß: Jetzt beginnt konzentrierte Zeit.


Solche kleinen Anker wirken stärker, als viele Menschen vermuten.


Denn unser Nervensystem reagiert sehr sensibel auf Signale aus unserer Umgebung. Bilder, Gerüche, Orte oder bestimmte Handlungen können innerhalb von Sekunden Zustände verändern.


Vielleicht hast du selbst schon einmal erlebt, dass du einen Raum betrittst und sofort ein Gefühl von Ruhe spürst.


Oder genau das Gegenteil.


Unordnung wirkt auf unser Gehirn wie eine Reihe kleiner offener Aufgaben. Jedes Ding, das keinen Platz hat, sendet eine stille Botschaft: 👁️‍🗨️„Kümmere dich um mich.“


Je mehr solcher Dinge gleichzeitig vorhanden sind, desto stärker wird die innere Unruhe.


Doch die eigentliche Veränderung beginnt nicht im Wohnzimmer. Sie beginnt im Kopf.


Denn erst wenn wir erkennen, welche Sätze wir uns selbst erzählen, können wir beginnen, sie zu verändern.







 
 
 

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